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forum Forum index forumTheorie und Praxis des Abalone-Spiels forumEröffnungstheorie

Author : Topic: Eröffnungstheorie  Bottom
 SilverSurfer
 moderator
 Posts : 347
 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:21:33 PM
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Hallo,

da es vielleicht manchen Spielern zu mühselig ist, im Englisch-Forum alles nachzulesen und da ich auch neue und andere Gedanken finde, wenn ich auf Deutsch formuliere, habe ich mich entschlossen, auch hier eine "Eröffnungskapitel" aufzuschlagen.

Während sich die "Allgemeine Theorie" mit der "allgemeinen Eröffnungstheorie" beschäftigt, so muss die Aufgabe einer "Eröffnungs-Theorie" eine andere sein, nämlich die Behandlung konkreter und unterschiedlicher Startaufstellungen.

Ich habe mich entschlossen, "Belgium-Daisy" als erste Eröffnung zu besprechen, da es eine beliebte Startaufstellung und darüber hinaus die Startaufstellung der MSO-Wettbewerbe ist.

Ich verstehe unter einer Eröffnungstheorie nicht die Besprechung   all der Züge, die irgendwie möglich erscheinen, sondern die Besprechung der 2-5 mir am stärksten erscheinenden Züge - andere können am Rande erwähnt werden. Ich strebe also keine Vollständigkeit und Korrektheit an, sondern ziele eher auf Korrektheit ausgewählter Züge.
Damit stellt die Eröffnungstheorie eine Art "Kunst" dar, da die Auswahl auf persönlichen Entscheidungen beruht. Dies kann als Mangel aufgefaßt werden. Für mich überwiegen jedoch die Vorteile dieser Vorgehensweise:
- für einen Anfänger oder leicht fortgeschrittene Spieler werden  starke Züge sowie die jeweiligen Antworten übersichtlich besprochen
- die Darstellung verliert sich nicht in allzu vielen Zügen, sondern konzentriert sich auf bestimmte Wege und fragt hier nach Plänen und möglichen STellungs-Mustern.
- wenn dieser Weg beschritten wird, dann ist es immer noch möglich, auch andere Wege einzuschlagen und den früheren Weg zu revidieren oder ganz zu verwerfen, letzlich entwickelt sich die Theorie jedoch auf diesem Wege fort.

Auch für diese Eröffnungstheorie gilt - wie für die allgemeine Theorie - dass diese Ausführungen erste Schritte auf dem Wege zu einer Abalone-Theorie sind. Es existiert bis zum heutigen Tage noch keine veröffentlichte Theorie, während - beispielsweise - für das Schach-Spiel seit hunderten von Jahren Theorien entworfen werden. Hier ist deutlich eine Entwicklung zu erkennen: die Theorien konnten sich stets auf vorhergehenden Theorien beziehen, das Bewährte aufnehmen und neue Erkenntnise formulieren. Dies ermöglicht es gegenwärtig einem  Beginner des Schachspiels, wenn er sich der einführenden und fortführenden Literatur widmet, in relativ kurzer Zeit die konzentrierten Ergebnisse der Evolution der letzten Jahrhunderte "zu erlernen und zu verstehen", ohne all das noch einmal "erfinden" und all die Irrwege der letzten Jahrhunderte noch einmal gehen zu müssen.
Wenn diese Ausführungen auch nur einen kleinen Beitrag zur Entwicklung einer umfassenden Abalone-Theorie - die in einigen Jahrzenten sicherlch viel weiter sein wird - beitragen, dann wäre ich schon sehr froh.  


[img]http://yelims.free.fr/Sourires/Sourire28.gif[/img

 SilverSurfer
 moderator
 Posts : 347
 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:23:00 PM
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Notation:

Ich verwende in den folgenden Ausführungen die Aba-Pro-Notation.

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1117741372.jpg

Für weitere Fragen zur Zug-Notation: Zug-Notation


images/icones/icon2.gif Belgium Daisy

Belgium-Daisy ist eine im Vergleich zu Standard oder anderen Frontal-Aufstellungen sehr anspruchsvolle Startaufstellung. Vor allem zu Beginn erfordert sie ein sehr aktives und dominantes Spiel und es enstehen zumeist recht schnell komplexe Stellungen.  
Diese Startaufstellung erfordert deshalb unterschiedliche Spielfähigkeiten eines Spielers, denn das einfach Block-Spiel, das in der Standard-Aufstellung schon recht effektiv zu  Erfolgen führen kann, ist hier nicht möglich.

Die folgenden drei Züge (A.-C.) sind die meistgespielten und vermutlich die stärksten Anfangszüge. Die unterschiedlichen STellungen, die hierdurch eingeleitet werden bezeichne ich deshalb als drei unterschiedliche "Hauptsysteme".

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125430069.jpg

Es sind jedoch auch andere, vielleicht auf den ersten Blick nicht  intuitiv evident erscheinende Züge möglich:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125428846.jpg

Ich widme mich zunächst dem A-System, gehe den Zügen bis zum 5. Halbzug nach und bespreche dann nacheinander die dort entstehenden Wege bzw. Stellungen. Hiernach folgen die anderen Systeme.

Inhaltsverzeichnis:

I. System A
 I.1. Antworten auf das A-System

   1.1 A.b Punktsymmetrisches System
     1.1.1 A.b.3
     1.1.1.1      
     1.1.1.1.1 "Symmetrical-Classic-Opening"
     1.1.1.1.1.a. i9h8 Classic
     1.1.1.1.1.b. b2c3 Centre-Attack
     1.1.1.1.1.c  c2c3 Aba-Pro-Opening
     1.1.1.1.1.d  h9g8 h9-g8-Attack
     1.1.1.1.1.e  i9h9 traditional opening
     1.1.1.1.1.f  b3c4 b3c4-Opening

     1.1.2 A.b.2

   1.2 A.a Head-to-Head-System
   
   1.2 A.c

   1.3 A.d  

II. System B

III. System C

IV. andere Systeme

 SilverSurfer
 moderator
 Posts : 347
 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:23:34 PM
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I. A-System

Wir besprechen nun zuerst das A-System:

I.1 Mögliche Antwortzüge für Weiß

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125430564.jpg

(A.a) bis (A.d) stellen vier mögliche Antwortzüge dar.

A.a zieht ebenfalls (achsensymmetrisch) direkt ins Zentrum und "streitet" "Kopf an Kopf" mit Schwarz um die Zentrums-Dominanz.
A.b. ist ein punktsymmetrischer Zug, der ebenfalls direkt zum Zentrum zieht.
A.c und A.d leiten direkt Attacken auf die gegnerischen Gruppen ein und führen zu Wechselspielen zwischen diesen Gruppen.

Während die ersten beiden direkt um das Zentrum kämpfen, so verlagert sich der Kampf um das Zentrum bei den anderen beiden schon auf einen Kampf zwischen den Gruppen, ohne dass dabei das Zentrum aus den Augen verloren wird.

1.1 A.b-Zug

Wir folgen nun dem A.b.-Zug, der "punktsymmetrischen Eröffnung".

1.1.1

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125421899.jpg

Der A.b.1-Zug führt durch Brettdrehung um 180 Grad zur A.a-Eröffnung.
Der A.b.2-Zug zieht direkt ins Zentrum.
Der A.b.3-Zug bereitet einen Angriff auf die benachbarte Gruppe vor.

1.1.1.1
Die möglichen weißen Antwortzüge lassen wir zunächst aus den Augen und konzentrieren uns auf das "punksymmetrische System":
"Symmetrical-Classic-Opening" of Belgium-Daisy:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125366392.jpg


1.1.1.1.1.: 3. schwarzer Zug bzw. 5. Halbzug

Es bieten sich hier verschiedene schwarze Züge mit jeweils unterschiedlichen Ideen an:

Notations-Kompendium:
a. i9h8 Classic
b. b2c3 Centre-Attack
c. c2c3 Aba-Pro-Opening
d. h9g8 h9-g8-Attack
e. i9h9 traditional opening
f. b3c4 b3c4-Opening

Einzelne Eröffnungszüge:

a. i9h8 Classic
http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125412728.jpg
Schwarz strebt von beiden Seiten zum Zentrum. Auf den Weißen Angriff g4-g5 springt schwarz einfach mit beiden Steinen  g7g8-f7 und strebt eine starke Zentrumsgruppe an. Wenn sich Weiß den verbliebenen schwarzen 4 Steinen widmen sollte, dann wird der schwarze Angriff auf diese Gruppe, da die weißen Steine zum Rand ziehen müssen, um die schwarzen Steine zu schlagen, mit hoher Wahrscheinlichkeit zum schwarzen Sieg führen.

b. b2c3 Centre-Attack
http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125411284.jpg
Dieser Zug strebt ebenfalls eine starke Zentrumsbesetzung an, ohne, dass eine der beiden schwarzen Gruppen geschwächt wird. Wenn Weiß diesen Vorstoß mit h5g5 zurückdrängen möchte, dann erfolgt ein starker schwarzer Angriff durch c2-c3.

c. c2c3 Aba-Pro-Opening
http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125410995.jpg
Dies ist der Zug von Aba-Pro auf Stufe 10.
Hier wird der Angriff c2-c3 direkt durchgeführt, den Weiß nun jedoch leichter, durch Springen oder durch a5b5 (welcher in 3.2 dann nicht möglich wäre) parieren kann.

d. h9g8 h9-g8-Attack
http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125411343.jpg
Dieser Zug zielt ebenfalls auf Zentrumsbesetzung und schwächt die eigene Stellung mit der Absicht, gerade durch die weißen Angriffe   auf diese schwarze geschwächte Stellung ins Zentrum vorzudringen. Schwarz möchte also die Interaktion mit Weiß bzw. die weißen Angriffe zu seinen Gunsten ausnutzen.

e. i9h9 Traditional opening
http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125411310.jpg
Dies ist ein recht kontrollierender Zug, der gerade alle direkten Weiß-Angriffe zunächst ausschließt und die "Schlacht" auf später vertagt, bzw. die Spannung und den Druck aufrechterhält. Fraglich ist, ob er nicht zu passiv ist, jedoch können die schwarzen STeine durch Springen der 3-er-Reihen recht günstig, weil sie stets von der Seite die weiße Gruppe bedrohen, vorrücken

f. b3c4 b3c4-Opening
http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125411221.jpg
Dieser Zug zielt ähnlich wie 3.2 auf Zentrumsbesetzung.


Überblick:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125412499.jpg

In b., c. und f. unternimmt es Schwarz, mit der unteren Gruppe weiterzuziehen. In a. , d. und d. wird eine Doppelstrategie (von beiden Seiten) eingeleitet.
Während in a. b. d. und f. eine Zentrumsbesetzung im Vordergrund steht, so attackiert c. direkt und e. hält den stabilen, gegenseitigen Druck der Gruppen aufrecht.



                       Zentrum  Druck Attacke
Doppelstrategie      a. d      e.          
Untere Gruppe        b. f.           c.    

 SilverSurfer
 moderator
 Posts : 347
 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:24:11 PM
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Wir beginnen jetzt mit der Besprechung der verschiedenen Stellungen:

b. 3. b2c3 Centre-Attack
http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1125411284.jpg

Dies war die Zentrums-Attacke von Schwarz, ausgehend von der symmetrischen Stellung.
Weiß kann auf diesen direkten Zentrumsvorstoß auf verschiedene Weise reagieren:

3. b2c3 c6c5d6
http://pic.aceboard.net/img/31237/3143/1130113914.jpg

Weiß springt mit 2 Kugeln, um einerseits mit dieser 2-Reihe eine seitliche Attacke zu drohen und andererseits mit diesen 2 zusätzlichen Kugeln auf der anderen Seite ein Überzahlspiel zu drohen.

3. b2c3 g4g5
http://pic.aceboard.net/img/31237/3143/1130113961.jpg

Weiß attackiert direkt die obere Gruppe. Wenn schwarz nicht ausweicht, sondern diese 3-er-Reihe pariert, dann droht Weiß das Zentrum zu überrollen.

3. b2c3 h4g5 ?!
http://pic.aceboard.net/img/31237/3143/1130113995.jpg

Weiß attackiert direkt die 3-er-Reihe in de Mitte. Hierdurch wird aber die eigene untere Gruppe eingesperrt. Die gesamte Einschätzung dieser Stellung hängt davon ob, wie und ob Weiß die  mögliche folgende  Attack in der unteren rechten Ecke verteidigen kann.


3. b2c3 h6g6  !
http://pic.aceboard.net/img/31237/3143/1130114031.jpg

Dies scheint mir die stärkste Fortsetzung für Weiß zu sein. Weiß droht eine starke Attack in der oberen Ecke, hält die untere rechte Ecke frei und kann sofort nach oben springen, wenn Schwarz dort angreift. Außerdem festigt Weiß seine Stellung im Zentrum.


3. b2c3 h6g6 4. b3c4
http://pic.aceboard.net/img/31237/3143/1130114064.jpg

Schwarz festigt ebenfalls mit einem positionellen Zug die Mitte und steht besser als Weiß.

3. b2c3 h6g6 4. i9h9 ?!
http://pic.aceboard.net/img/31237/3143/1130114122.jpg

Meine Nachanalysen mit Aba-Pro haben hier ergeben, dass dieser Zug zu diesem Zeitpunkt hier zu passiv ist. Weiß kann ein sehr starkes Spiel auf den Zentrumsfeldern aufbauen.

3. 3. b2c3 h6g6 4. c2c3 !

http://pic.aceboard.net/img/31237/3143/1130115230.jpg

Weiß muss auf diese Attack von Schwarz sehr präzise antworten. Der Sprung mit den beiden Steinen c6c7d6 führt zu etwas besseren Spiel für Schwarz, ist aber spielbar für Weiß. Der Gegenangriff g4g5 wird Material kosten und Gegenspielt ist nicht sofort ersichtlich. Die gewöhnliche Attacke a5b5 unterstützt hier sogar noch den schwarzen Angriff und führt schnell zum Verlust der Stellung.


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