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forum Forum index forumTheorie und Praxis des Abalone-Spiels forumAllgemeine Theorie

Author : Topic: Allgemeine Theorie  Bottom
 SilverSurfer
 moderator
 Posts : 347
 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:26:49 PM
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Hallo,

das Inhaltsverzeichnis ist so aufgebaut, dass zunächst begriffliche Grundlagen (A.) vorgestellt werden, die einen analytischen Blick auf das Spiel gewährleisten.
Von hier aus wird eine "Hinführung" (B.) zur eigentlichen "Theorie" erarbeitet, die zunächst grob drei Spielstufen für die Eröffnungsphase des Spiels und für die "Standard"-Aufstellung von Abalone vorstellt. Das Ziel dieser Hinführung ist es: einerseits eine bestimmte Charakteristik der Spielweise auf der fortgeschrittensten Ebene vorzustellen, andererseits aber auch den Weg, der dort hin führt - vom Anfänger zum Fortgeschrittenen -, nachzuzeichnen.
Von dieser Perspektive aus können die allgemeinen Prinzipien vorgestellt werden, die einer komplexen Spielstrategie, anspruchsvollen positionellen Spielplänen und einer mehrzügigen Spieltaktik zugrunde liegen (C).
Ratschläge für Anfänger und ein kritischer, metatheoretischer Rückblick (D.) auf die Darstellung und Konstruktion dieser Theorie schließen diese Gesamtkonzeption ab.  


Inhaltsverzeichnis:

VORWORT
EINLEITUNG


A: GRUNDLAGEN - BASIS-BEGRIFFE UND BASIS-UNTERSCHEIDUNGEN

Exkurs: Notation

1. Analyse-Ebenen
1.1 Die taktische Analyse-Ebene
1.2 Die positionelle Analyse-Ebene
1.3 Die strategische Analyse-Ebene
1.4 Rückblick

2. Spiel-Perioden und Übergangsphasen
2.1 Eröffnung
2.2 Endspiel
2.3 Mittelspiel
2.4 Übergangsphase: Mittelspiel-Endspiel
2.5 Übergangsphase: Eröffnung-Mittelspiel
2.6 Rückblick

3. Zug-Bewertung  und Spielplan


B: HINFÜHRUNG - EINFÜHRUNG DREIER SPIELSTILE ANHAND EINES ENTWICKLUNGSMODELLS

1. Stil 1
2. Stil 2
3. Stil 1 und 2 für Variationen
4. Stil 3
5. Drei Spielstile
5.1 Stil-Definitionen
5.2 Stil-Indikatoren
5.3 Übersicht
5.4 Exkursion: universale Stufen oder psychosozialkulturelle Stufen ?


C: ALLGEMEINE THEORIE DES SPIELS - TAKTISCHE KOMBINATIONEN, POSITIONELLE MUSTER, POSITIONELL-STRATEGISCHE MANÖVER, STRATEGISCHE KRITERIEN, TIMING


1. Taktische Kombinationen:
1.1 Fallen
1.2 Zugsuche

2. Positionelle Muster:
2.1. Gruppen und isolierte Steine
2.1.1 Hauptgruppen
2.1.2 Trennungszüge, Verbindungszüge
2.1.3 starke, aktive Gruppen
2.1.4 starke isolierte Steine und starke Gruppe
2.1.5 schwache isolierte Steine
2.1.6 schwache Gruppen, Gefängnis
2.2. Attacke
2.2.1 einfacher Angriff
2.2.2 Doppelangriff
2.3.Verteidigung
2.3.1 Rand
2.3.2 Stützen
2.3.3 Block und Blockfunktion
2.3.4 Parade
2.3.5 Koordinationsmöglichkeiten
2.4. Endspiel
2.4.1 Grundlagen
2.4.2 Gefangene, Gruppenteilungszüge
2.5. Eröffnung
2.5.1 Standard
2.5.2 Belgium Daisy
2.5.3 weitere Eröffnungen

3. Positionell-strategische Manöver:
3.1. Lavieren
3.2. Komplexität
3.3. Destruktion und Konstruktion
3.4. Drehung

4.  Strategische Prinzipien
4.1. Material
4.2. Mitte-Zentrum-Rand
4.3. Dominanz
4.4. Initiative
4.5. Koordination
4.6 Schlüsselpunkte

5. Timing: "Die Kunst des Abalone-Spiels"
5.1 Zug-Bewertung
5.2 Spielplanentwurf
5.4 Mögliche Spielpläne der Spielpraxis
5.3 Analyse der Praxis (Beispielpartien)

D. PRAXIS-ÜBUNGEN

1. Taktik-Aufgaben (Gewinn in x Zügen)
2. Eröffnungszüge  (Funktionen)
3. Mittelspiel-Probleme (strategisch-positionelle Pläne)

E: RÜCKBLICK UND AUSBLICK

1. Praktische Ratschläge für Anfänger
2. Ratschläge für PC-Programme
3. „Allgemeine Theorie“
3.1 Die Konstruktion einer Theorie
3.2 Die Präsentation einer Theorie
4. Überblick über alle eingeführten Begriffe

 SilverSurfer
 moderator
 Posts : 347
 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:28:33 PM
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Vorwort

In den folgenden Kapiteln möchte ich (m)einen ersten Entwurf einer "allgemeinen Theorie des Abalonespiels" vorstellen.
Ein Grund für diese analytische Arbeit stellt sicherlich meine Hoffnung dar, hierdurch mein eigenes Spiel zu verbessern; aber wäre dies der einzige Beweggrund, dann müsste ich diese Theorie hier nicht vorstellen. Ich hoffe vor allem, dass Anfänger von dieser Darstellung profitieren werden, insofern für Sie der Weg vom mühsamen Anfang bis zum facettenreichen und tiefgründigen  Spieer ein wenig  zügiger bewerkstelligt werden kann.
Ich hoffe darüber hinaus, dass dieser Entwurf eine Grundlage für weitere Arbeiten und für Diskussionen bereitstellen wird.


Einleitung

Abalone ist ein "Spiel"; und ein Spiel wird nach "Spiel-Regeln" gespielt.
Versetzen wir uns doch einmal in die Perspektive eines Anfängers! Wir wissen dann, dass wir mit einer Kugel oder mit zwei oder mit drei Kugeln ziehen dürfen, dass wir mit 2 Kugeln eine gegnerische und mit 3 Kugeln zwei gegnerische Kugeln wegschieben können. Das Ziel ist es, 6 von den 14 gegnerischen Kugeln vom Spieltisch zu stoßen.
Das ist so ziemlich alles, was wir zu Beginn wissen. Aber wie erreichen wir dieses Ziel ? Gibt es auch hierfür "Regeln", "Muster" oder "Prinzipien" ?

Wenn wir dieses Spielbrett und die Kugeln mit den Augen eines Anfängers betrachten, was nehmen wir dann wahr?

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1117641411.jpg

Wir sehen mit den Augen des Anfängers einfach nur dieses Bild der Startposition, wir haben noch keine Erfahrung, was kommen wird, wenn wir ziehen werden. Wir wissen noch nichts von Zentrum, Gruppen, Initiative, Schlüsselpunkten, Strategie und anderen "Begriffen". Die "praktische Spielbedeutung" dieser "Begriffe" reift erst mit der Erfahrung und oft bleiben diese Erkenntnisse unausgesprochen und stehen lediglich als kognitive Muster in der Vorstellung des Spielers bereit. Erst so etwas wie "Theorie" versucht dann das auszusprechen, was schon immer den Spielhintergrund bildet und was, nach längerer Überlegung und Analyse, den Spielhintergrund bilden könnte.

Ein Anfänger zieht folglich mit anderen Erwartungen, anderem Wissen und wenig Spielerfahrung die ersten Züge in einem Spiel. Hingegen vermag es ein erfahrener Spieler, auch mit lediglich sehr kurzer Bedenkzeit (3-7 Sekunden) und  ohne große Problem, solide Eröffnungszüge zu ziehen.
Dies mag in der Situation des Spielbeginns schon einleuchten, aber es wird deutlicher, wenn wir eine komplexe Spielsituation betrachten:

Was liegt hier für eine Situation vor ?

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1117641822.jpg

Ein Anfänger sieht, dass Schwarz eine Weiße Kugel links unten hinausstoßen könnte. Aber wie wirkt sich dies auf die Gesamtsituation aus ? Wer steht besser? Wie will man dies in einer solchen Situation bewerten? Welcher Zug sollte erfolgen und unter welchen Kriterien?
Wenn man nur die wahrgenommene "Figur" als Phänomen betrachtet, dann könnte man vielleicht auch auf die Idee kommen, dass hier schwarze Kugeln von Weiß umzingelt, bald eingeschlossen oder gar gefangen werden. Oder sind es zu viele schwarze Kugeln und können sie sich wehren? Wann kann man sagen, dass Kugeln eingeschlossen sind? Für wen ist das gut? Vielleicht sogar für die Seite, deren Kugeln eingeschlossen sind? Oder sind es Gefangene, die schon zum Tode verurteilt wurden?
Kann man überhaupt in solchen Situationen verallgemeinernde Aussagen treffen?
Solche Fragen werden uns vor allem  im Teil C beschäftigen, wenn es darum geht, allgemeine Prinzipien zur Bewertung des Spiels aufzustellen.

Die Frage, die uns zunächst beschäftigen muss, ist aber nicht, welches die wichtigsten Spielprinzipien sind, sondern wie wir überhaupt das Spiel "beschreiben" können.
Können wir uns dabei einfach an den Vorgang halten, der abläuft, wenn wir spielen? Was passiert, wenn wir spielen? Oft sind es nur wenige Sekunden, die uns zur Bewertung verbleiben; in unserem Kopf spielen wir vielleicht Züge durch, suchen eine Idee, vielleicht nehmen wir auch Abstand und bewerten das Gesamtbild. Aber ist es einfach die Aufgabe der Theorie, diese Impulse, intuitiven Muster und erfahrungsangreicherten Züge zu rekonstruieren? Können wir das "Spiel"  beschreiben, indem wir diese "Gedanken" analysieren? Ist "Psychologie des Spiels" identisch mit der "Theorie des Spiels"?

Vielleicht können wir diese Frage beantworten, wenn wir anhand einer Analogie zum Verhältnis von Logik und Aussagesätzen argumentieren.
Die Lehre der Logik beschäftigt sich nicht mit der Psychologie der Aussagen oder psychischen Denkvorgängen, sondern mit den logisch korrekten und vollständigen "Formen" des logischen Schließens. Es geht der Logik dabei gerade nicht direkt um das Psychische der konkreten Sätze, jedoch sollten konkrete Sätze mit der Logik analysierbar sein.  Wie geht die Logik hier vor? Zunächst werden Sätze formalisiert: in der Aussagenlogik wird beispielsweise ein beliebiger Satz durch die Variable X ersetzt. Und es wird dann gefragt, wie man verschiedene Sätze (X,Y,Z) miteinander verbinden und auf andere Sätze schließen kann, sodass eine logisch korrekte Argumentation gewährleistet wird - unabhängig von den konkreten Sätzen.

Folgen wir diesem Beispiel analog, dann würde dies für uns bedeuten, dass wir erst einmal "Begriffe" für eine "einfache Einteilung" des Spiels verallgemeinern sollten.
Vor uns liegt also zunächst ein sehr komplexes Phänomen und wir müssen diese ungeheure Komplexität formalisieren und reduzieren. Dann können wir, aufbauend auf diesen Grundbegriffen, komplexere Situationen analysieren und Prinzipien verallgemeinern.
Wir fragen also nicht: "Wie denken wir, wenn wir spielen?". Sondern wir fragen: "Welche Prinzipien, Muster etc. liegen unserem Denken immer schon zu grunde und mit welchen Grund begriffen können wir all diese Strukturen beschreiben?"

 SilverSurfer
 moderator
 Posts : 347
 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:29:34 PM
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A: Grundlagen - Basis-Begriffe und Basis-Unterscheidungen

In diesem kurzen Grundlagenkapitel wollen wir anhand von Grundbegriffen das "Ganze", d.h. die vor uns liegende Gesamtkomplexität des Spiels zunächst einmal auf handhabbare "Stücke" reduzieren. Zunächst (1.) unterscheiden wir 3 verschiedene, parallele Ebenen der Analyse für eine Spielsituation. Dann (2.) unterscheiden wir 3 Perioden des Gesamtspiels. Und schließlich (3.) fragen wir anhand dieser Grundbegriffe, aus welchen Komponenten sich unsere allgemeine "Bewertungsfunktion" zusammensetzt.

Wir  zerteilen dieses "Ganze" in der Hoffnung, diese Stücke dann besser analysieren zu können und mit dem  Glauben, dass diese "Stücke" auch wirkliche "praktische Stücke" und nicht lediglich "künstlich isolierte Teile" darstellen.
 
Wenn wir also das Gesamtspiel in 3 Perioden einteilen und zugleich 3 Analyse-Ebenen  unterscheiden und nach Schlüsselpunkten fragen, dann können wir versuchen, diese 3 Perioden dadurch abzugrenzen, indem wir fragen, ob es je Spielperiode verschiedene Schlüsselpunkte gibt und was sich auf allen drei Analyse-Ebenen je Spielperiode ändert.  

Zunächst müssen wir uns jedoch in einem kurzen Exkurs der Notation der Abalone-Züge widmen.


 SilverSurfer
 moderator
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 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:30:20 PM
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1. Analyse-Ebenen

Im folgenden werden wir drei Analyse-Ebenen unterscheiden, wobei die Grenzen dieser Ebenen an den Überschneidungszonen der zweiten und dritten Ebene fließend sind und auch stark von den Fertigkeiten der Spielern beeinflusst werden. Ein Anfänger hat nicht nur damit Probleme, diese drei Ebenen parallel zu beachten, sondern seine Analysefähigkeit ist auf allen drei Ebenen nur minimal ausgeprägt, da es ihm zumeist für das taktische Spiel an der spezifisch trainierten Vorstellungskraft und in Bezug auf die beiden anderen Ebenen an Erfahrung mangelt.

1.1 Die taktische Analyse-Ebene

Mit "taktischer Analyse" ist die Analyse-Ebene gemeint, die vollständig „errechnet“ werden kann.
Bei einem Anfänger zeigt sich hier, dass er meist gerade nur „(s)einen“ Zug „rechnen“, d.h. vorstellen kann. Oft wird er schon von der Antwort des Gegners in komplizierten Stellungen überrascht, aber auch in einfachen Stellungen reicht die Sicht oft nicht über den eigenen und den antwortenden Zug des Gegners hinaus. Das führt dazu, dass bei Anfängern oft nach wenigen Zügen immer wieder auf Grund von „Fehlern“, bzw. kurzen Rechnungen, der eine Spieler und dann wieder der andere Spieler die stärkere Position einzunehmen vermag.  

Für einen Anfänger stellt folgende Aufgabe ein großes Problem dar:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1117842598.jpg

Wie erobert Weiß in 3 Zügen zwingend die Mitte?

Einerseits fehlt es ihm hierbei an Vorstellungskraft, andererseits auch an der „Erfahrung“, dieses Spielmuster zu "sehen".
Waagrecht stehen sich hier zwei 3er-Reihen auf der E-Zeile gegenüber: Weiß auf e2,e3,e4 und Schwarz auf e5,e6,e7.  Also muss hier, wenn überhaupt, der Angriff von oben, d.h. in einem 60 Grad Winkel erfolgen.
Auf den Zug "d2e3" (ausführliche Notation: d2e3f4>g5) muss Schwarz mit "g8f7" (g8f7e6>d5) antworten, da,  wenn Schwarz das Feld d5 nicht einnimmt, Weiß von oben die Mitte stürmen kann. Der zweite Zug von Weiß ist daher "g4h5" (g4>h5). Schwarz kann nun die  Mitte, das Feld e5, nicht mehr verteidigen, da Weiß mit einer 3er-Reihe von schräg-links-oben das Feld e5 bedroht und gegen eine 2er-Reihe von Schwarz überlegen ist.  

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1117842675.jpg

Der Gewinn des Zentrums lässt sich in dieser Spielsituation folglich "errechnen".

Ein anderes Beispiel:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1117842822.jpg

Hier liegt eine schwarze Kugel auf dem Feld e8 und es steht 5-4 für Weiß: Weiß benötigt also nur noch eine Kugel zum Gewinn.
Gibt es hier eine zwingende Zugfolge für Weiß?  Wir sehen, dass der Zug e6>e7 - also der Zug mit den beiden weißen Kugeln auf den Feldern e6 und e7 nach e8 - die schwarze Kugel auf e8 an den Rand (e9) drückt. Aber was passiert, wenn nun die schwarze 3-er-Reihe den weißen Stein nach oben schiebt? Ein Anfänger wird diese Aufgabe nicht lösen.
(Lösung: in diesem Falle ist Weiß erfolgreich und zwar schon im übernächsten Zug. Auf den Schwarzen Zug antwortet Weiß einfach mit dem Zug "f7f8" (die beiden Steine auf f7 und f8 ziehen nach f9) und nun wird die schwarze Kugel im nächsten Zug hinausbefördert, unabhängig davon, welchen Zug Schwarz zieht)

Was uns später noch beschäftigen wird, das ist die Tatsache, dass Weiß vom Zentrum an den Rand ziehen konnte, ohne sich über die Spielfolgen Gedanken zu machen, weil in diesem Falle - in der finalen Endspiel-Periode - alleine die taktische Analyse ausreichte, um den Spielzug vollständig zu bewerten.

Taktische Probleme sind also "Probleme", die durch fehlerfreies "Rechnen" "gelöst" werden können.

Weitere "Probleme" kann man hier finden. Der Autor freut sich, wenn ihm Lösungen oder Lösungsansätze zugesandt werden.

 SilverSurfer
 moderator
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 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:31:08 PM
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1.2 Die positionelle Analyse-Ebene

Wie weit reicht unsere „taktische Sicht“? Zwei, drei, vier, fünf, sechs Züge ? Von Schwarz „und“ Weiß ?!
Selbst wenn wir 12 Halbzüge rechnen können, dann wissen wir nicht immer, welchen Zug wir wählen sollten, denn es liegen nicht immer alle „Ziele“ in diesem „taktischen Radius“. Und vor allem: was sind überhaupt „Ziele“? Gibt es nur ein Ziel? Kugeln?
Wie begegnen wir bestimmten Stellungen und wie entscheiden wir uns für einen Zug, wenn es keine eindeutige taktische Lösung gibt?
Denn selbst dann, wenn wir eindeutig taktisch-kalkulierbar eine Kugel gewinnen könnten, dann bleibt doch noch die Frage, ob dies wirklich die besten Züge sind oder ob wir uns nicht durch diese Züge nicht viel schlechter stellen als es uns der Gewinn dieser Kugel zunächst nahe legt.

Die vorläufige (!) Antwort auf diese Frage lautet: Indem wir positionell manövrieren !
 
„Positionelle Züge“ folgen einem „Muster“. Wir können nicht „errechnen“, welche Auswirkungen diese Züge nach einigen Zügen haben wird, sondern wir schätzen ab, was in einem bestimmten abgesteckten Bereich in den nächsten 5-10 Zügen geschehen könnte, wenn wir diese „Muster“ spielen. Die vorläufige Antwort auf die Frage nach den stärksten Zügen fordert von uns folglich eine Art „Katalog“ mit „ positionellen Mustern“ und der Besprechung dieser Muster. Da wir hier jedoch lediglich verdeutlichen, was wir unter „positionellen  Zügen“ verstehen, so werden wir lediglich einige positionelle Muster exemplarisch vorstellen.


Betrachten wir das erste Beispiel:

Es steht 4 zu 4 in dieser Situation. Keine der beiden Parteien kann „errechnen“, dass in den nächsten Zügen zwingend die fehlenden 2 Kugeln zum Sieg gewonnen werden könnten.  
Schwarz nimmt die Mitte ein und beide Gruppen stehen sich  im Zentrum gegenüber. In der weißen Gruppe befindet sich ein „isolierter“ schwarzer Stein – solchen speziellen Problemen werden wir uns später widmen (z.B. der Frage, was „isolierte Steine“ sind,, ob sie „Gefangene“ sind oder eine „aktive Gruppe“ bilden und welche taktischen, positionellen und strategischen Möglichkeiten sich hier bieten).


http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041203.jpg

Schwarz hat in diesem Moment (1-2) den Plan, Weiß auf d5 zu attackieren, vielleicht auch in diesem Moment schon die Hoffnung, bis zu dem „isolierten Stein“ durchzustoßen.

Weiß fragt sich nun, wie es auf diesen Angriff auf d5 antworten soll. Eine mögliche Antworten wären hier beispielsweise einen Stein nach a2 zu ziehen, um den  Durchstoß von Schwarz zur isolierten Kugel zu verhindern und gleichzeitig die „Geschlossenheit“ der eigenen Kugeln zu bewahren, so dass auch die „Komplexität“ des Spiels nicht zu hoch wird. Allerdings würde Schwarz hierdurch zumindest zunächst das Feld d5 verlieren, das eventuell ein „Schlüsselfeld“ in der schwarzen Stellung darstellt – wir wollen uns hier noch nicht damit beschäftigen, ob dieses Feld hier wirklich ein „Schlüsselfeld“, also ein Feld mit außerordentlich großer Bedeutung, darstellt oder nicht, wichtig ist vielmehr, dass Weiß in dieser Situation diesen Gedanken seinem positionellen  Verfahren zugrunde legen könnte.
Weiß entscheidet sich für den Zug (2-3): b2c3.  Dies ist ein „klassisches Muster“: mit einer 3-er-Reihe auf einer Zeile die unterste Kugeln einer von oben angreifenden 3-er-Reihe zur Seite wegschieben, womit das Feld zurückerobert und oft auch eine Gegendrohung („Umkehrparade“) eingeleitet wird, da die angreifende 3-er-Reihe auf 2 reduziert wurde.    

Im nächsten Zug (4) stößt Schwarz also zur isolierten Kugel durch. Weiß schiebt hiernach (5) die Schwarzen Kugeln zur Seite.

Mehr oder weniger haben nun beide Parteien ihre Pläne zu diesem Augenblick verwirklicht. Schwarz hat nun eine kleine bewegliche Gruppe gebildet und Weiß besetzt wieder das Feld d5.
Im Diagramm (5) droht Weiß nun mit zwei 3er-Reihen Schwarz anzugreifen: entweder die Kugeln noch weiter zur Seite zu schieben oder nach oben zu stoßen, wo Schwarz den Angriff zwar ebenfalls zur Seite schieben könnte, aber Weiß hätte keine Probleme die vorgestoßene 3-er-Reihe, die Schwarz dann ebenfalls durch eine 3-er-Reihe von oben  angreifen würde, unten abzustützen.
Schwarz greift nun (6) die nach oben zielende 3-er-Reihe mit der kleinen Gruppe an, droht gleichzeitig die Kugeln auf der a und b Zeile vernichtend anzugreifen und verbindet gleichzeitig beide Gruppen.
Weiß wird im nächsten Zug voraussichtlich wieder diese schwarze 3-er-Reihe angreifen, um all diese Drohungen zu beseitigen.  

Was können wir nun schlussfolgern, wenn wir, beginnend bei der Anfangsstellung, diese Sequenz (1)-(6) auf diese Weise analysieren images/icones/icon4.gif  
Nehmen wir an, Schwarz hätte 6 Züge weit vorausgerechnet. Das bedeutet in dieser Situation, dass Schwarz nicht nur einfach diese Bildreihe berechnet hätte, sondern auch die anderen möglichen „Zugpfade“ von Weiß, beispielsweise im zweiten Zug a2. Betrachten wir jedoch das 6. Bild, dann wird deutlich, dass die Situation noch nicht geklärt ist. Wir können sagen, Schwarz hat lediglich den „positionellen Plan“ verwirklicht, eine kleine schwarze Gruppe zu bilden. Und dies auch nur aufgrund des Weißen „positionellen Planes“, das Feld d5 zu behaupten, denn Weiß hätte dies im zweiten Zug mit a2 verhindern können.
Es wird also deutlich, dass das Resultat von „positionellen Plänen“ nicht immer der direkte Gewinn einer Kugel ist. Vielmehr ist es die Absicht, durch positionelle Pläne immer mehr „Vorteil“ zu erzielen.
Es stellt sich aber dann die Frage, was dieser „Vorteil“ ist. Wie werden also wiederum diese positionellen Pläne bewertet? – dies stellt das Thema der strategischen Analyse-Ebene dar.

Ein zweites Beispiel:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122043614.jpg

In dieser Abbildung (1.) besetzt Schwarz eher als Weiß das Zentrum. Beide Parteien sind leicht zersplittert, jedoch gibt es jeweils eine „Hauptgruppe“: Schwarz im Zentrum sowie unterhalb des Zentrums und Weiß in der linken oberen Ecke.

I.1-6

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041246.jpg

Schwarz zieht (1.-2.) g7g6, aber stellt mit diesem Zug keine „direkte Drohung“ auf: diese schwarze 3er-Reihe steht der weißen 2er-Reihe d3e4 gegenüber, jedoch befindet sich auf c2 ein schwarzer Stein. Schwarz bedroht zwar mit der 3er-Reihe d5e5f5 die weiße Hauptgruppe, jedoch lässt sich diese Attacke d5e5 mit e3f4 parieren.
Was kann Weiß (2.) ziehen?
Wenn Weiß die in 2. gebildete 3er-Reihe mit e6f6 attackiert, dann könnte Schwarz mit d5e5 angreifen, da Weiß mit diesem Zug die Parade dieses Angriffes blockieren würde.      
Weiß entschließt sich nun die beiden 2er-Gruppen zusammenzuschließen und ebenfalls die Hauptgruppe des Gegners zu bedrohen. Weiß bedroht also eine schwarze 3er-Reihe, mit welcher Schwarz Weiß bedroht. Der weiße positionelle Plan ist hier also „Destruktion der Angriffsmöglichkeiten des Gegners“: „entweder Du attackierst mit der 3-er-Reihe d5e5f5 mich und ich pariere deinen Angriff mit e3f4 oder ich attackiere dich.  
Schwarz zieht nun (4.) c2b2: Die schwarze Kugel auf c2, die zuvor den Angriff verhindert hatte, wird also weggezogen.
Weiß stößt nun (5.) mit der 3er-Reihe auf d5 vor: der Plan der „Destruktion der schwarzen Angriffsmöglichkeiten in der linken oberen Ecke“ wird also durchgeführt.
Schwarz attackiert nun auf e4.  

Es zeigt sich: Schwarz und Weiß haben in den letzten Zügen parallel jeweils mit einer 3er-Reihe von oben nach unten gegen gegnerische 2er-Reihen gedrückt.

Nun hat Weiß die Möglichkeit in Abbildung 6 mit Zug (6)-(7): g4f4 die schwarze 3er-Reihe anzugreifen und anhand dieses Zuges eine eigenen 3er-Reihe zu bilden, welche  in die entgegengesetzte Richtung gegen die „gekürzte 3er-Reihe“, die nun nur noch aus 2 Steinen besteht, zu drücken: Weiß nutzt also die Chance zur „Umkehr-Parade“ und bedroht nun Schwarz mit 2 3-er-Reihen, die in der nächsten Sequenz im ersten Diagramm rot eingezeichnet sind.  
II. 1-4

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041406.jpg

Weiß hat also die „Umkehr-Parade“ I.(6)-II(1): „g4f4“ gespielt und droht nun die beiden schwarzen Steine f5g6 nach oben zu ziehen. Außerdem bedroht Weiß mit einer zweiten 3-er-Reihe (d4,e5,f6) die beiden schwarzen Kugeln auf c4 und b3 – beide Drohungen sind rot eingezeichnet (II.1).  Schwarz findet jedoch eine Parade für die „Doppel-Drohungen“: (1)-(2) „c5-c4“ !  Der Zug dieser 3er-Reihe kürzt einerseits die linke weiße 3-er-Reihe auf 2 Kugeln, sodass Weiß nicht mehr nach oben ziehen kann; außerdem ermöglicht er eine Umkehr-Parade der zweiten weißen Drohung: wenn Weiß f7e6 spielen sollte, dann kann Schwarz mit c2c3 antworten – ohne diesen schwarzen Doppelparade-Zug hätte der weiße Angriff diese schwarze Gruppe zerteilt.

Weiß bedroht nun mit dem nächsten Zug (2)-(3.) „h6i5“ das Zentrum. Schwarz kann diese „Bedrohung“ jedoch verteidigen, indem es das Zentrum bzw. die beiden angegriffenen Kugeln durch eine dritte Kugel auf b2 „stützt“.

Blicken wir nun auf die Anfangs- und die Schlussstellung. Was hat sich positionell verändert?

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041459.jpg

Schwarz hat seine Kugeln fast zu einer einzigen Gruppe verbunden, nimmt das Mittelfeld ein, droht eine weiße Kugel zu gewinnen, aber besitzt darüber hinaus keine größeren, unmittelbaren Angriffs-Chancen – allerdings kann der Zug f5e5 die Eroberung der gesamten Mitte eröffnen, wenn Weiß im nächsten Zug diese Bedrohung nicht "destruiert". Schwarz war in den letzten Zügen vor allem damit beschäftigt, die weißen Angriffe abzuwehren und gleichzeitig die Stellung ein wenig zu festigen.
Weiß hat die beiden zersplitterten 2-er-Gruppen zu einer starken 4-er-Gruppe gebündelt, hat etwas Raum zur Mitte hin erobert, besitzt aber auch keine klare Angriffsinitiative.
Die positionellen Pläne waren hier vor allem Drohungen durch  3-er-Reihe-Angriffe, Drohung der Destruktion der drohenden 3-er-Reihe und Umkehr-Parade.

Es wird jedoch deutlich, dass gerade in solchen Stellungen nicht alleine diese positionellen Pläne die Bewertungskriterien für einen Zug ausmachen. Hinter diesen Zügen muss es noch weitere Bewertungskriterien geben: strategische.


Ein drittes Beispiel:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041498.jpg

Dies ist der Beginn einer Standard-Partie. Weiß spielt den Zug (1)-(2) c6d6 und erobert somit das Feld f6. Der tiefere Plan zeigt sich doch erst im nächsten Zug.
Schwarz bemerkt nicht oder stört sich vielleicht nicht daran, dass Weiß eigentlich eine zweite Gruppe innerhalb der Schwarzen Gruppe bilden will. Anstatt den Zug i7h6 zu spielen, um das Feld f6 zurückzuerobern, spielt er e3e4 und schiebt die beiden weißen Kugeln hiermit zur Seite.
Dies entspricht jedoch genau dem weißen Plan: weiß spielt im dritten  Zug (3)-(4) e7e8-f6, springt also mit den beiden weißen Kugeln zur Kugel auf f6 und bildet eine aktive 3-er-Reihe bzw. Gruppe innerhalb der schwarzen Kugeln.

Wieder wird hier deutlich: nach der Verwirklichung des weißen Plans kann Weiß noch keine Kugel gewinnen! Weiß hat jedoch eine „Position“ durch „positionelles Spiel“ erreicht, das ihm eventuell bessere Angriffschancen ermöglicht als das Spiel geschlossener „Block“ gegen geschlossener „Block“:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041532.jpg


Viertes Beispiel:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041023.jpg

In diesem Beispiel hat Weiß schon eine kleine Gruppe in die schwarz Gruppe „hineingeschleust“. Im nächsten Zug (1)-(2) vergrößert Weiß seine Gruppe und droht mit einem Angriff der gebildeten 3-er-Reihe (2).  

Wie antwortet Schwarz?
Schwarz spielt ohne tiefer nachzurechnen das Muster der „Umkehr-Parade“. Schwarz zieht die Kugel auf Feld g7 nach h7, so dass diese 4-er-Reihe zu einer 3-er-Reihe gekürzt wird.
Der Gedanke ist klar: wenn Weiß nun auf g6 attackiert, dann wird Schwarz diese attackierenden weiße 3-er-Reihe mit der verbliebenen 2-er-Reihe ebenfalls attackieren.
Schwarz erzielt folglich, wenn wir nur diesen isolierten Bereich betrachten, eine Stellung, in der es die weiße Gruppe wieder hinausstoßen kann, so dass nur einzelne isolierte Kugeln verbleiben, da Weiß anschließend die durch Schwarz gekürzte Reihe auf 2 Kugeln nicht „stützen“ kann:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122391075.jpg

Die Umkehrparade würde hier also den gesamten weißen Angriff abblocken und weiße Kugeln isolieren.

Schwarz hat allerdings nicht beachtet, dass er durch den Paradezug eine Stütze der eigene Stellung schwächt.  

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041151.jpg

Wir sehen nun  (5) dass Weiß die 2-er-Reihe nicht mehr decken und Schwarz durch seinen nächsten Zug diese 2-er-Reihe zurückdrängen kann, aber Weiß hat nun auf der anderen Seite die Möglichkeit mit einer 3-er-Reihe anzugreifen, da Schwarz durch die Umkehrparade die Stütze auf g4 verloren hat.

Weiß spielt also (5)-(6) „b4c4“.

Schwarz drückt nun im nächsten Zug mit (6)-(7) i6h6 die beiden weißen Steine zurück und isoliert einen weißen Stein.

Aber Weiß dringt erneut zu dem isolierten Stein durch und verschafft sich gute Angriffsmöglichkeiten.  

Weiß hatte in diesem Beispiel also wieder den Plan eine „Gruppe“ innerhalb der Schwarzen Kugeln zu bilden. Schwarz hatte mit der Umkehrparade ein positionelles Verfahren gewählt, das ihm beinahe Erfolg eingebracht hätte: wäre durch die Parade die Stütze nicht weggefallen, dann hätte Schwarz die weiße Angriffs-Gruppe zerschlagen und hätte zudem eine weiße Kugel am Brettrand isoliert, die hinter seinen schwarzen Kugeln schlecht erreichbar für weiß platziert wäre.

Weiß hatte jedoch wahrscheinlich im zweiten Zug tiefer gerechnet, denn es war leicht absehbar, dass die schwarze Umkehrparade die weißen Kugeln auf 2 kürzt und diese nicht gestützt werden können. Weiß hat also vorhergesehen, dass Schwarz durch die Umkehrparade die Stellung an einer anderen Seite schwächt. Der eigentliche positionelle Plan von Weiß war also ein „Doppelangriff“: entweder die weiße Gruppe wird nicht pariert oder Weiß stößt auf der anderen Seite durch.  

Fünftes Beispiel:

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041578.jpg


Weiß hat soeben die 3-er-Reihe b2d3e4 gebildet und droht Schwarz auf e5 anzugreifen.

Schwarz findet nun einen Zug der sowohl eine Umkehr-Parade als auch Bedrohung darstellt (1)-(2): e8-e7 !

Das Diagramm 2 verdeutlicht durch die beiden blauen Pfeile diese beiden Funktionen. Der waagrechte blaue Pfeil könnte den Weißen angriff parieren, der weitere blaue  Pfeil bedroht die weiße Gruppe in der rechten oberen Ecke – schon im nächsten Zug könnten 2 Kugeln an den Rand gedrückt werden.
Der tiefere Plan von Schwarz ist jedoch ein anderer – dies wird sich in einigen Zügen zeigen.

Weiß greift nun durch (2)(3) „b2d3“  auf e5 an.
Schwarz pariert nicht, sondern greift die weiße Gruppe an (3)-(4) „c4d5“ und droht im nächsten Zug eine Kugel zu gewinnen.


http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122041611.jpg

Weiß attackiert weiter die beiden schwarzen Steine (4)-(5) „c3d4“.
Schwarz gewinnt die erste Kugel (5)-(6) „d5e6“.

Weiß verfolgt anscheinend den Plan: „Was Du kannst, das kann ich auch“ und plant ebenfalls die angegriffenen Steine zu schlagen, während Schwarz, so der weiße Gedanke,  den letzten weißen Stein schlägt. Also (6)-(7) „d4e5“.

Schwarz steht nun aber vor der Wahl: entweder schlägt Schwarz die weiße Kugel in der Ecke, dann wird aber auch Weiß im nächsten Zug eine Kugel gewinnen. Oder Schwarz spielt jetzt eine „Umkehrparade“ ! Und Schwarz spielt tatsächlich eine Umkehrparade: (7)-(8): e7f6 !
Dieser Zug errichtet nicht nur eine schwarze 3-er-Reihe gegen zwei weiße Kugeln, die Weiß nicht decken kann, sondern verteidigt zugleich den weißen Angriff auf die beiden schwarzen Steine und isoliert mehrere weiße Kugeln.    

Rückblick:

Wir blicken nun auf diese 5 Beispiele zurück.
 
Die „positionellen Muster/Pläne“ waren hier:
- Bildung einer aktiven Gruppe
- Sammlung zu einer größeren „Hauptgruppe“
- Trennung einer Hauptgruppe
- Isolierung einer Kugel
- Zerschlagung einer Gruppe
-  Umkehrparade
- Schlüsselpunkte verteidigen
-  Stützen
- Destruktion einer Angriffsreihe
- Doppelparade
- Doppeldrohung

Es wurde hierbei deutlich, dass diese positionellen Pläne ihre Bedeutung erst vor dem Hintergrund einer weiteren Bewertungs-Ebene erhalten: der strategischen Bewertung - der wir uns im nächsten Abschnitt zuwenden werden.  

--Last edited by AbaloneTheory-Forum on 2005-12-08 21:33:43 --

 SilverSurfer
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 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:31:37 PM
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1.3 Die strategische Analyse

Es verleiben mehrere Frage:
Zunächst fragten wir (1.1) kann eine Spielstruktur, die durch einen Zug entsteht, welcher eindeutig taktisch eine Kugel gewinnt, auch Nachteile haben, ja sogar Nachteile, die den „Wert“ einer Kugel übersteigen?
Außerdem verleiben (1.2) nun die beiden Fragen: wenn wir zwischen zwei Mustern auswählen können, ja, müssen, welches wählen wir dann?
Und darüber hinausgehend: wenn wir weder einen taktischen Gewinn, noch ein positionelles Muster erkennen, woran können wir uns dann orientieren, um die Situation zu bewerten?

Die wiederum „vorläufige Antwort“ lautet diesmal: durch strategische Kriterien !  

Wir beginnen in diesem Unterkapitel mit allgemeinen Überlegungen und gehen dann zu Beispielen über.

Erste „allgemeine“ Beispiele

Wir sehen in diesem Diagramm eine Stellung, wie sie sehr oft entsteht, vor allem dann, wenn beide Spieler nicht eine komplexere Spielweise anstreben.  

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122389554.jpg

Was fällt uns an dieser Struktur auf? Die untere weiße Reihe ist nur einen Linie vom Rand entfernt und die obere schwarze jedoch 2 Linien.
Wenn wir dies anhand des Kriteriums „Kugel-Gewinn“ bewerten, dann sehen wir, dass Schwarz „etwas näher“ am Gewinn einer Kugel ist als Weiß.
Wenn Schwarz die weißen Steine noch eine Linie weiter nach hinten drängt, dann ergeben sich starke Angriffs-Chancen.

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122389609.jpg

Wir sehen hier 3 Mal die gleiche „Struktur-der-Kugeln“, aber dennoch sehen wir eine andere „Spielstruktur“. Im ersten Diagramm hat Schwarz Weiß an den Rand gebracht und Weiß hat dadurch nicht mehr die Möglichkeiten, Umgruppierungen der Steine durch Züge nach hinten durchzuführen. Auf der linken Seite wird Schwarz darum leicht einen Angriff durchführen können.
In dem zweiten Bild besitzt Schwarz zwar die Mitte, aber Weiß hat Bewegungsfreiheit, um sich zu verteidigen und die Kugeln liegen auch nicht unmittelbar am Rand.
In dem dritten Bild hat Weiß gar die Mitte erobert und Schwarz besitzt weniger Raum als Weiß.
Das erste Bild unterscheidet sich jedoch von den beiden anderen durch erheblich eingeschränkte Verteidigungsmöglichkeiten. Allgemeiner:  die „Koordinationsmöglichkeiten“ - insbesondere der Verteidigung - von Weiß scheinen im Gegensatz zum ersten Bild im zweiten und dritten Bild nahezu gleich zu sein - mit dem Unterschied, dass im zweiten natürlich noch mehr Raum nach hinten ist.

Betrachten wir das folgende Bild, dann fällt außerdem auf, dass Schwarz, aber ebenso Weiß, stets  

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122389657.jpg

über einen „Block“ verfügen. Dieser Block verhindert, dass die angreifenden Kugeln die eigenen Kugeln einfach nach hinten schieben können. Die eigenen Kugeln um den Block herum können dann gelockert bzw. als Angriffsgruppen oder Angriffsreihen eingesetzt werden, ohne dass die Kugeln insgesamt allzu schnell nach hinten gedrängt werden.
„Der Block“ stellt also auch ein „positionelles Muster“ dar.  


Zweites Beispiel

Betrachten wir das erste Diagramm.

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122389696.jpg

Schwarz hat die Möglichkeit, eine Weiße Kugel zu gewinnen, indem Schwarz mit einer 3-er-Reihe auf eine weiße 2-er-Reihe attackiert. Durch diesen Zug entzieht Schwarz jedoch der Mittelreihe die „Stütze“, so dass Weiß die Möglichkeit erhält, die Mitte mit einer 3-er-Reihe waagrecht zu attackieren.
Wir sehen, dass sich in dieser Situation die Frage stellt: Mitte (Schlüsselpunkt) oder Kugel(n)?
Schwarz spielt in dieser Situation (1-2) e3d3 und gewinnt eine Kugel. Weiß spielt im nächsten Zug (2-3) e8-e7 und nimmt die Mitte ein.

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122389730.jpg

Im dritten Zug spielt Schwarz (3-4) „d1e2“ und deckt damit die Reihe auf der e-Linie, damit der Punkt e4 nicht durch Weiß erobert wird.
Weiß spielt im nächsten Zug (4-5) „c5c4“ und stellt Schwarz damit im 5 Bild wieder vor die Frage: Schlüsselpunkt e4 oder Kugel?
Schwarz entscheidet sich wieder für die Kugel.

In dieser Sequenz hat Schwarz folglich 2 Kugeln gewonnen. Wenn wir Diagramm 1 und 6 betrachten, dann sehen wird, dass Schwarz zwei Kugeln gewonnen hat, Weiß jedoch nicht nur mehr Raum – unter anderem die Mitte – einnimmt, sondern auch über starke Drohungen verfügt.

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122389927.jpg

Wenn Weiß nun entweder e4 oder d3 attackiert, dann könnte Schwarz sogar noch eine weiße Kugel gewinnen und 3 zu 0 in Führung gehen.
Wir sehen aber, dass Schwarz diesen „materiellen Vorteil“ mit „Schwächen“ in seiner Stellung bezahlen muss.

Wir sehen hier auch, dass in Diagramm 6 und in der geschilderten Fortsetzung Weiß nun über eine eindeutige „Initiative“ verfügt. Viel eindeutiger als etwa Schwarz in der Darstellung daneben (standard), in welcher Schwarz ebenfalls die Mitte und eine „Dominanz“ verfügt.
Weiß hat im Diagramm 6 starke Angriffs-Chancen und Schwarz wird sich gut verteidigen, sinnvolle Gruppen bilden, sowie eventuell einen Block bilden müssen, damit Weiß nicht eine Stellung erzielt, in der es 6 schwarze Kugeln erobern kann.
Die Initiative, über die Weiß nun verfügt, geht über die „Dominanz“ hinaus, die Schwarz in jenem Standard-Diagramm ausübt.

An diesem Beispiel können wir auch andere Begriffe noch einmal verdeutlichen. Indem Schwarz das Schlüsselfeld „Mitte“ für eine Kugel aufgibt, erhält Weiß einen Raum- und Angriffsvorteil. Hiernach muss Schwarz den Schlüsselpunkt seiner Stellung eine Reihe näher zum Rand verlegen (von e5 nach e4). Dieses Feld gibt Schwarz aber erneut auf, um eine weitere Kugel zu gewinnen.

Drittes Beispiel

In diesem Beispiel bringt Weiß eine „gefangene“ Kugel durch eine Kombination von Zügen hinter seinen „Block“, wo diese Kugel gewonnen werden kann, ohne die Stellung zur Mitte bzw. den Block wesentlich zu schwächen.

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122389980.jpg

Im Gegensatz zum vorhergehenden und zum folgenden Beispiel wird hier also eine Kugel gewonnen, ohne dass hierfür eine strategische Nachteil in Kauf genommen wird.


Viertes Beispiel

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122390125.jpg

In der Situation 1 sehen wir, dass Schwarz sich in 2 Gruppen geteilt hat und vereinzelte weiße Kugeln am Rand angreift. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Schwarz die 6 vereinzelten weißen Steine in den nächsten Zügen gewinnen wird, vielmehr wird Weiß einige dieser Kugel bei korrekter Spielweise „retten“, ohne die Dominanz im Zentrum zu verlieren. Schwarz wird jedoch einige Kugeln gewinnen.
Weiß hingegen hat mehrere Reihen in die Mitte gezogen und wir versuchen, das Zentrum zu festigen.

Betrachten wir die Situation einige Züge später zunächst lediglich numerisch:  In der rechten oberen Ecke befinden sich sieben nahezu gesammelte Kugeln, in der unteren Ecke hingegen eher weniger gesammelte sieben Kugeln. Weiß steht mit acht Kugeln im Zentrum.

Schwarz hat drei weiße Kugeln gewonnen, bildet einen Block in der rechten oberen Ecke und hält noch eine eventuell zwei Kugeln zwischen den unteren schwarzen Kugeln gefangen. Weiß hingegen besetzt als Block das Zentrum.

Wir sehen, dass beide Farben unterschiedliche Pläne verfolgen:
-Schwarz teilte sich in 2 Gruppen und gewann Kugeln am Rand
-Weiß gab Kugeln auf (Opfer) und nahm das Zentrum ein

Die Frage lautet nun, wie und wen soll Weiß angreifen und wie wird Schwarz vorgehen?

Wir werden später, wenn wir die „positionellen Muster“ näher besprechen, sehen, dass sich hier die Frage stellt, welche Verteidigungsgruppe von Schwarz stärker ist.
Die obere Gruppe  besteht lediglich aus schwarzen Kugeln. Die untere Gruppe schließt eine, eventuell zwei weiße Kugeln ein. Wenn Weiß eine Kugel befreit, dann wird es Schwarz leichter fallen, sich zu verteidigen, da es die eine isolierte Kugel nutzen kann, um einen größeren Verteidigungsblock zu bilden. Andererseits besteht immer die Gefahr, wenn eine weiße Kugel in einer schwarzen Gruppe liegt, dass die Weiß eine Verbindung herstellt und die schwarze Gruppe sprengt.
Diese weißen Überlegungen sind jedoch positioneller Art und betreffen einen „Ausschnitt“ auf dem Brett.

Der „Spielplan“ von Schwarz war also, sich in „2 Gruppen zu teilen“, „Kugeln“ zu gewinnen, sich mit der Gruppe, welche Weiß angreift, zu „verteidigen“ und die andere schwarze Gruppe herbeizuholen, um Weiß „anzugreifen“.
Die  „Gruppenbildung“, der materialgewinnenden „Angriff“, die „Verteidigung“ und der „parallele Angriff“ stellen jeweils „positionelle“ Elemente dar.
Ihnen liegt jedoch eine „strategische Einschätzung“ zugrunde: Der Gewinn der drei gegnerischen Kugeln führt dazu, dass Schwarz nicht allzu große Probleme haben wird, sich gegen die verbliebenen weißen Kugeln im Zentrum zu verteidigen. Selbst wenn Schwarz einige weiße Kugeln auf einer Seite gewinnen wird, dann wird dies Schwarz nur gelingen, wenn es sich vom Zentrum zum Rand bewegt, also die Zentrumsdominanz aufgibt – im Gegensatz zum dritten Beispiel.      

Der weiße „Spielplan“ war es, „Kugeln zu opfern“, um das Zentrum zu besetzen und Dominanz zu erhalten. um hiernach eine schwarze Gruppe „anzugreifen“, um möglichst viele Kugeln zu gewinnen.  

Wir fassen also zunächst unsere Beobachtungen zusammen:

Strategische Kriterien sind:

- Material
- Mitte
- Zentrum
- Schlüsselpunkte
- Dominanz bis hin zur Initiative
- Koordinationsmöglichkeiten

Hiermit soll nicht gesagt sein, dass diese Kriterien eine „vollständige“ Liste strategischer Kriterien darstellt. Dieses Unterkapitel verfolgte lediglich die Aufgabe, die Analyse-Ebene zu verdeutlichen. Wir werden uns diesen sowie weiteren strategischen Kriterien später noch einmal tiefgehender zuwenden.

Dem „Spielplan“ und der gesamten Zugbewertung werden wir uns  im übernächsten Kapitel widmen.

 SilverSurfer
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 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:32:11 PM
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1.4 Rückblick

In diesem Grundlagen-Kapitel haben wir drei Analyse-Ebenen eingeführt.
Die Taktik-Analyse ist das reine Rechnen von Möglichkeiten, während die positionelle Analyse Stellungen nach „positionellen Mustern“ untersucht, welche spezifische Funktionen (Stütze, Angriff, Parade, Gruppenteilung...) erfüllen. Die strategische Analyse bewertet anhand von „strategischen Kriterien“ Züge in ihrer Bedeutung in Bezug auf das Spiel insgesamt. Diese „strategischen Kriterien“ beziehen sich hierbei auf Gesamtspielstrukturen, im Gegensatz zur taktischen Analyse und zu positionellen Mustern, welche stets nur bestimmte Bereiche des Spiels betreffen.
 
Wir haben hier viele Themen lediglich angedeutet. Darüber hinaus sind diese Ebenen dem Leser sehr wahrscheinlich nun zunächst als bloße „Begriffe“ bekannt geworden. Wir können nicht erwarten, dass sich diese Begriffe gleich nach der Einführung als „vollständig“ und „sinnvoll“ erweisen. Erst indem wir „Spiel-Erfahrung“ sammeln oder/und indem wir hier weitere Themen besprechen, werden wir sehen, wie diese Analyse-Ebenen ineinander greifen und an praktischer Bedeutung gewinnen.

Bevor wir uns der Frage nach der Bewertung von Zügen und des Spielplanes (3.) widmen, werden wir nun von der „eher statischen Analyse“ zur „zeitlichen Analyse“ der Spielperioden (2.) übergehen.


Wiederholung zentraler Begriffe:
Attacke“:  Eine Attacke ist der tatsächlich ausgeführte, den Gegner attackierende Zug. -> Vgl. "Drohung"
Block“: eine Ansammlung von Kugeln, die durch 3-er-Reihen eine stabile Einheit bildet.
Destruktion“: Ein destruierender Zug hat das Ziel, die Absicht des Gegners zu ‚zerstören’.
Dominanz“: Eine Partei hat dann eine Dominante Stellung, wenn sie zumindest nahezu das Zentrum einnimmt und diese Position stabil ist. Eine Position ist umso dominanter je stärker und stabiler die Zentrumsbeherrschung ist.
Dominanz und Initiative“: Eine dominante Stellung ist nicht notwendig eine Stellung mit starker Initiative und eine  Stellung mit starker Initiative muss nicht unbedingt eine dominante Stellung darstellen.
Drohung“: Eine Drohung stellt die Möglichkeit dar, eine Attacke auszuführen.
Gruppe“ (Hauptgruppe, schlechte Gruppe, aktive Gruppe etc.): Eine Gruppe ist eine Ansammlung von mindestens 2 Kugeln.
Initiative“: Eine „Initiative“ ist umso „stärker“ je mehr die eine Farbe über materiell erfolgsversprechende Angriffsmöglichkeiten und je mehr die andere Farbe lediglich über Verteidigungszüge – also keine Angriffszüge - verfügt.
Isolierte Kugel“: Eine isolierte Kugel ist eine einzelne Gruppe, die von den gegnerischen Kugeln daran gehindert wird, sich mit eigenen Kugeln zu verbinden.
Komplexität“: niedrige Komplexität liegt vor, wenn beide Kugeln sich in Blöcken gegenüberstehen, wohingegen hohe Komplexität vorliegt, wenn beide Farben in mehrere Gruppen aufgeteilt sind. Einseitige Komplexität liegt vor, wenn eine Farbe durch Aufteilung gegen den Block der anderen Farbe spielt.
Koordinationsmöglichkeit“: Eine hohe Koordinationsmöglichkeit ist dann gegeben, wenn ausreichend Verteidigungs- und Angriffsmöglichkeiten vorliegen, notwendig hierfür ist, dass diese nicht durch Randstellung oder andere Spielstrukturen eingeschränkt ist.
Mitte“: Die Mitte ist das Feld e5
Parade“: (einfache Parade, Doppelparade, Umkehrparade) Eine Parade wehrt die Attacke des Gegners zumindest ab oder eröffnet sogar Drohungen.
Schlüsselpunkt“: Schlüsselpunkte versperren und/oder eröffnen Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten durch ihre zentrale Stellung in der Spielstruktur.
Stütze“: Eine Stütze verhindert die Attacke eines Gegners, indem die eigene Minderheit hinreichend gegen die Drohung gestärkt wird.
Zentrum“: Das Zentrum umfasst die Felder e4,e5,e6, d4,d5, f5,f6

 SilverSurfer
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 SilverSurfer
  Posted 07/12/2005 08:33:00 PM
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2. Spiel-Perioden und Übergangsphasen

In den vorhergehenden Kapiteln haben wir uns auf Beispiele bezogen, ohne dabei zu problematisieren, ob sich diese thematisierte Spielstruktur eher zu Beginn, in der Mitte oder zum Ende eines Spiels einstellt, ja, ob es überhaupt eine „Tendenz“ gibt, dass sich Spielstrukturen mit einer größeren Wahrscheinlichkeit in bestimmten Spielperioden ausbilden.
In diesem Einführungskapitel werden wir uns den Feinheiten dieser jeweiligen Spielperioden nicht erschöpfend widmen, vielmehr ist es unser Ziel, eine nachvollziehbare Unterscheidung von drei – und nicht etwa zwei oder vier – „Spielperioden“ und eine Charakterisierung der entsprechenden Übergangsphasen zwischen diesen Perioden einzuführen.

2.1 Eröffnung

Wo müssen wir beginnen, wenn wir nach der Abgrenzung einer generellen Eröffnungs-Periode fragen ?

http://pic.aceboard.net/img/31237/2640/1122390578.jpg

Wir sehen hier eine Übersicht, über einige Startaufstellungen.
Die erste Gruppe umfasst Startaufstellungen, bei welchen sich 2 mehr oder wenige geschlossene Hauptformationen gegenüberstehen.
Für die zweite Gruppe kann dies nicht mehr gesagt werden; zwar sind jeweils alle Kugeln einer Farbe miteinander verbunden, aber die Formationen stehen sich nicht „gegenüber“.
In der dritten Gruppe werden die Kugeln einer Farbe in 2 gleichgroße Untergruppen aufgeteilt, wobei die gleichfarbigen Gruppen sich nicht berühren und die gegnerische Gruppe „Verbindungszüge“ verhindern kann.
In der vierten Gruppe werden von Anbeginn gegnerische Kugeln nahezu oder ganz eingeschlossen.  
Die fünfte Gruppe stellt eine Kombination der dritten und vierten Gruppe dar.

Da wir in diesem Kapitel nicht eine Erörterung der für die jeweilige Startformation taktisch, positionell, strategisch besten Eröffnungszüge anstreben, sondern lediglich an der „allgemeinen“ Unterscheidung von Spielperioden interessiert sind, werden wir nun versuchen, das „generelle Motiv“ der ersten Züge anhand unterschiedlicher Startpositionen zu analysieren.

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 AbaloneTheory-Forum
  Posted 17/02/2007 09:29:09 AM
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Eigentlich doch ein vielversprechender Ansatz    


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 Abalone-Theory-Forum
  Posted 28/02/2007 04:22:17 AM
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